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Roter Herbst in Chortitza

Nach einer wahren Geschichte
464 Seiten, gebunden
14 x 21 cm
Erscheinungsdatum: 09.02.2018
Bestell-Nr.: 190988
ISBN: 978-3-7655-0988-9
EAN: 9783765509889
1. Auflage

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1919. Ein Bürgerkrieg fegt mit aller Gewalt über das zerfallene Zarenreich. Gefangen zwischen den Fronten, finden die beiden Freunde Willi und Maxim ein von Soldaten zurückgelassenes Maschinengewehr. Für Maxim ein Geschenk des Himmels, für Willi die größte Herauforderung seines Glaubens, denn als Sohn mennonitischer Siedler hat er gelernt, jede Form von Gewalt abzulehnen. Eine Zerreißprobe für die Freundschaft der beiden Jungs.
Während Willis Familie in der aufkommenden Sowjetdiktatur ums nackte Überleben und um ihren Glauben kämpft, schlägt sich Maxim ausgerechnet auf die Seite des Regimes.
Beide wissen nicht, ob sich ihre Wege je noch einmal kreuzen werden. Zwei Lebenswege inmitten der sowjetischen Diktatur, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Tim Tichatzki blickt in eines der dunkelsten Kapitel europäischer Geschichte, und erzählt zugleich ein Stück eigener Familiengeschichte. Schonungslos, packend und herzergreifend zu lesen.
Roter Herbst in Chortitza

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Kundenmeinungen

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Sehr packend, bewegend und gut geschrieben! Kundenmeinung von Lea Koepff Veröffentlicht am 07.05.18
„Roter Herbst in Chortitza“ ist sehr packend, bewegend und gut geschrieben! Besonders finde ich daran, dass es, obwohl es auf der wahren und persönlichen Geschichte der mennonitischen Familie beruht, auch immer wieder aus der „Sicht“ einzelner Tschekisten/Geheimdienstler geschrieben ist und man auch Einblick bzw. Mitgefühl für ihr Dilemma zwischen Opfer- und Täterrolle bekommt.
Ohne Schwerpunkt des Buches zu sein, geht es immer wieder um den Glauben und die daraus entstehenden Gewissenskonflikte der mennonitischen Gemeinde (z.B. reagiert man auf Gewalt mit Gegengewalt?). Ihr Glaube hat die Mennoniten geprägt, das wird oft deutlich; aber das Buch ist nicht „evangelistisch“ geschrieben (was aber stimmig ist).
Das Buch ist für Personen geeignet, die sich für die sowjetische Geschichte und Biografien interessieren. Es ist definitiv keine leichte Kost, aber eine sehr bewegende Lektüre, die einen auch dann noch beschäftigt, wenn man sie zur Seite legt. Ich kann es sehr weiterempfehlen!

Die Grausamkeit des Kriegs Kundenmeinung von Marianne Veröffentlicht am 29.04.18
Willi wächst in der Ukraine auf, in dem idyllischen Ort Osterwick. Vor langer Zeit fanden die mennonitischen Bewohner des Orts hier Zuflucht, und ihr tiefer Glaube prägt nun das Zusammenleben.

Der Ukrainer Maxim und sein Vater finden bei der mennonitischen Familie Berger Zuflucht. Ihre Familie wurde von Tschekisten, sowjetische Geheimpolizisten, auseinandergerissen und die anderen Familienmitglieder wurden verschleppt.

Die fast gleichaltrigen Jungen, Willi und Maxim, werden Freunde. Miteinander erleben sie wie die Idylle des Dorfs im Bürgerkrieg immer mehr zerbricht. Gewalt und Hunger sind an der Tagesordnung. Als Maxims Vater die Mutter von Willi verteidigt, kommt er ums Leben. Daraufhin verlässt der noch junge Maxim das Dorf.

Beide Jungen erleben die folgenden, bewegten Jahre der Sowjetunion ganz unterschiedlich. Willi bleibt zunächst im Dorf. Er heiratet und gründet eine Familie. Aber es gibt nur kurze Zeiten des Friedens. Nach dem Bürgerkrieg herrscht der Hunger. Die Bauern werden mit List und Tücke enteignet, die Kirche außer Betrieb gesetzt.

Dann bricht der zweite Weltkrieg herein, und die deutschstämmigen Mennoniten stehen zwischen den Fronten. Zu ihren Überzeugungen gehört Gewaltlosigkeit, aber angesichts ihrer misslichen Lage, fragen sie sich immer wieder ob sie sich zumindest wehren dürfen.

Zuletzt findet Willi mit seiner Familie in Thüringen Zuflucht, aber im Zuge der Repatriierung werden sie nach Sibirien verschleppt, wo sie viele Jahre trotz starker Entbehrungen und verzweifeltem Hunger arbeiten müssen.

Maxim macht im Sowjetregime Karriere. Bewegte ihn anfangs der Wunsch in seiner Position für Gerechtigkeit einzustehen, muss er mehr und mehr von seinen Träumen abrücken, denn ihm wird klar, entweder gehorcht er, oder er verliert sein Leben. Es dauert nicht lange, und er ist nicht mehr als ein Werkzeug des Staats.

Anhand von diesen beiden Lebensläufen erfährt der Leser in dieser spannenden Lektüre viel aus der grausamen Geschichte der Sowjetunion. Willi und seine Familie wachsen dem Leser ans Herz, aber beim Lesen kann man auch nachvollziehen warum Maxim seinen Lebensweg wählt. Die Grausamkeit der Staatspolizei und die schrecklichen Folgen des Hungers werden vor Augen gemalt. Bei Willi und den anderen Mennoniten taucht immer wieder die Frage auf, wo Gott in diesem schrecklichen Geschehen bleibt. Bis zum Schluss hält Willis Familie am Glauben fest, aber in der Geschichte überwiegt die Hoffnungslosigkeit.

Ein spannendes Buch, das auf eine wahre Lebensgeschichte beruht. Schade, dass die Hoffnungslosigkeit überwiegt. Aber es werden auch schreckliche Jahre in der Geschichte der Sowjetunion beschrieben.
Ein Buch, das mit der Wahrheit unter die Haut geht Kundenmeinung von Piccina Veröffentlicht am 20.04.18
Das Buch ist sehr gut geschrieben, ich habe es innerhalb weniger Tage verschlungen. Die Kapitellänge ist wunderbar, nicht zu lang und auch nicht zu kurz. Es gibt immer ein kurzes Schlagwort als Kapitelüberschrift, sowie Ort und Jahreszahl als Unterschrift, sodass der Leser stets weiß, wo und zu welcher Zeit man sich befindet. Am Anfang des Buches befindet sich eine Landkarte, die sehr als Orientierung hilft.
Es gibt zwei große Handlungsstränge, den von Willi und den von Maxim, sodass zwei sehr unterschiedliche Blickwinkel in Betracht genommen werden. So werden Einblicke, Meinungen, Sicht-, Lebens und Denkweisen von den beiden kontrastiven Seiten Bevölkerung und Regime aufgezeigt,
Die Geschehnisse selbst sind sehr gemein, brutal, grausam und auch unverständlich. Oft konnte ich nur den Kopf schütteln, war geschockt, musste schlucken. Das Buch ist nichts für schwache Nerven. Insbesondere, da es sich eben um wahre Geschehnisse handelt, erscheint es doppelt so schlimm, gar unvorstellbar. Mitleid war eines der stärksten Gefühle, das ich beim Lesen empfand. Dennoch, obwohl die Taten der Soldaten unmenschlich waren, werden sie seitens des Autors nicht zu detailliert und zu genau beschrieben, sodass das Buch seine Ästhetik beibehält und nicht in ein anderes Genre abdriftet.

Bevor ich dieses Buch gelesen habe, wusste ich rein gar nichts über diesen Teil der Geschichte Europas. Mithilfe des Buches konnte ich einiges neu dazulernen und bin sehr froh darum, dass ich bei der Leserunde mitmachen durfte. Ich würde das Buch jedem empfehlen, nicht nur, weil es die europäische Geschichte beinhaltet, die nicht vergessen werden sollte, sondern auch, weil es einfach gut geschrieben ist. Es ist kein (langweiliges) Sachbuch, sondern eine sehr lebendige und dennoch wahre Geschichte. Geschichte sollte nicht unter den Teppich gekehrt und vergessen werden und dieses Buch verhilft dazu es nicht zu tun, sondern sich mit der Geschichte auseinanderzusetzen.
Roter Herbst in Chortitza Kundenmeinung von LEXI Veröffentlicht am 17.04.18
Tim Tichatzki erzählt in seinem beeindruckenden Roman die Geschichte des russischen Reiches von 1919 – 1947, jene Zeit, in der durch den Bürgerkrieg und den großen Vaterländischen Krieg das Land von Gewalt und Terror heimgesucht wird und die Bevölkerung unermesslichem Leid ausgesetzt ist. Er berichtet über eine Epoche, in der Menschen wahllos festgenommen, enteignet, gefoltert und getötet wurden und sie nur allzu oft gezwungen waren, furchtbare Entscheidungen zu treffen. Die Beschreibungen der Gewalttaten und des Elends der Menschen im kriegsgebeutelten Land machen dieses Buch zu einer sehr harten, aber überaus notwendigen Lektüre. Die Geschichte der Familie Bergen, Tim Tichatzkis Vorfahren, ist beispielhaft für unzählige Familien, die zutiefst traumatische Erlebnisse, schmerzliche Verluste und den Tod naher Angehöriger verkraften musste. „Roter Herbst in Chortitza“ ist eine Geschichte, die als ein in Romanform verfasster Tatsachenbericht dafür Sorge tragen soll, dass diese Ereignisse niemals in Vergessenheit geraten.

Gleich zu Beginn erzählt der Autor vom kleinen Willi Bergen, der mit seiner Familie in der Ukraine lebt und im Alter von zwölf Jahren beim Spielen mit seinem Freund Maxim Orlow ein Maschinengewehr entdeckt. Dieser Fund sollte der Anlass für ein Zerwürfnis werden, das die beiden Freunde trennt und ihre Lebenswege in völlig konträre Richtungen lenkt. Die russische Bevölkerung leidet an den Folgen des Bürgerkriegs zwischen den Bolschewiken und den Anhängern des Zaren. In seinen Erzählungen richtet Tim Tichatzki sein Augenmerk stets auf seine beiden Protagonisten Willi und Maxim, die mit ihren Eltern und Geschwistern in der frommen Mennoniten Gemeinde in Osterwick aufwachsen. Heinrich und Maria Bergen und die Gemeinschaft der Mennoniten bleiben unter sich, konzentrieren sich auf ihre Arbeit und behielten ihre Sitten, ihre Sprache und ihren Glauben bei. Ihren Kindern vermittelten sie bereits sehr früh christliche Werte, Disziplin und Respekt vor der Gemeinschaft. Als klare Gegner von Gewalt lehnen sie den Kriegsdienst vehement ab. Auf anschauliche Art und Weise schildert der Autor das friedliche Leben der Mennoniten und den Terror, der nach und nach Einzug in Osterwick hält. Die gesamtrussischen Ereignisse vor Augen bleiben als Mittelpunkt dieser gewaltigen Erzählung dennoch stets die Familie Bergen und ihre mennonitische Gemeinschaft. Tim Tichatzki verwebt sowohl historische Hintergründe und politische Entscheidungen, als auch die Auswirkungen dieser „menschenfressenden Maschinerie“ mit der Geschichte seiner Vorfahren. Der Autor verfolgt den Weg des Maxim Orlow vom lausbübischen und charmanten Bengel zum wuterfüllten und grausamen Tschekisten und Handlanger von Stalins Henker Blochnin, bis hin zu seiner Deportation nach Sibirien. Er erzählt vom Überlebenskampf des Willi Bergen in der Mennoniten Gemeinde Osterwick, seiner Familiengründung und den Drangsalen, denen die gläubigen Deutschen ohne Unterlass ausgesetzt waren. Er führt seine Leser durch die leiderfüllten Kriegsjahre, bis die Wege von Willi und Maxim sich in Sibirien letztendlich wieder kreuzen.

Die Charakterzeichnung der handelnden Figuren ist höchst authentisch. Der Autor widmet sowohl seinen Protagonisten, als auch sämtlichen Nebenfiguren, allergrößte Aufmerksamkeit und lässt sie vor den Augen seiner Leser lebendig erscheinen. Ihre Emotionen, Handlungsmotive und Gedanken umfangen den Leser und beziehen ihn tief in die Handlung ein. Durch diese erstklassige Umsetzung gewinnen die dramatischen Ereignisse während des Krieges noch zusätzlich an Schärfe, und an manchen Stellen war das Grauen dermaßen groß, dass ich das Buch kurzfristig zur Seite legen musste. Am Beispiel des Maxim Orlow wird drastisch dokumentiert, wie rasch man in der menschenverachtenden Diktatur des Kommunismus durch eine Fehlentscheidung die falsche Richtung einnimmt und dabei zerrieben wird. Überzogener Personenkult, eine menschenverachtende Politik, Not und Elend der Bevölkerung, der Hungertod und die grausame und brutale Ermordung von Millionen Menschen sprechen eine deutliche Sprache.

Dieser Roman rückt jene grauenhafte Ereignisse der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts wieder stark in den Vordergrund und wird mich vermutlich noch eine ganze Weile beschäftigen und nachwirken. Für Greta Bergen, die dieses Grauen überlebt hat, „waren die Enkel und Urenkel das größte Glück. Sie freute sich, dass diese ohne Angst und ohne Hunger aufwachsen durften und betete täglich darum, dass ihnen die leidvollen Erfahrungen ihrer eigenen Kindheit erspart bleiben mögen.“ Ich möchte diesen Wunsch noch ausweiten und bin der Meinung, dass unsere Generation sowie alle Generationen nach uns danach trachten – und dafür beten – sollten, von solch unbeschreiblich grauenhaften Erfahrungen verschont zu werden.

„Roter Herbst in Chortitza“ ist ein gewaltiges Buch, voller Gräueltaten und einer sehr realistisch dargebrachten Dokumentation, die zeigt, wie schnell Menschlichkeit und Moral verlorengehen und was der Krieg aus Menschen macht. Ich wünsche dem Autor eine weite Verbreitung dieses Meisterwerkes und ein ganz bewusstes Innehalten und Gedenken der unzähligen Opfer des Krieges und der Gewaltherrschaft bei seinen Lesern! Die Bedeutung der häufig vorgebrachten Mahnung vor der Wiederholung der Fehler der Vergangenheit gewann durch diese Lektüre für mich eine völlig neue, intensive Dimension. Danke für dieses überwältigende Buch!
Eine Randgruppe in zweierlei Hinsicht Kundenmeinung von TochterAlice Veröffentlicht am 17.04.18
Eine von vielen, von sehr vielen. Hat doch die Sowjetunion vor Randgruppen nur so gestrotzt. Bzw. war sie bunt zusammengewürfelt aus verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen, wobei die letzteren aufgrund der politischen Einstellung der Regierung einen besonders schweren Stand hatten. So auch die aus Deutschland stammenden Mennoniten, angesiedelt in der Ukraine, um die es in diesem Buch geht und zwar eine Gruppe von vor Jahrhunderten eingewanderten Mennoniten. Folglich gehörten sie gleich zu zwei Minderheiten - zu einer nationalen und einer religiösen, was sie über die Jahrzehnte hinweg wieder und wieder zu spüren bekamen.

Ihr Schicksal wird in diesem Roman durch Autor Tim Tichatzki quasi über das gesamte 20. Jahrhundert hinweg - und ein wenig darüber hinaus - verfolgt und es als ein schweres Los zu umschreiben, wäre eine riesige Untertreibung. Nein, in diesem vergangenen Jahrhundert wurden diese armen Menschen quasi zum Spielball aller Mächte, die durch diesen Landstrich hindurchfegten - und zwar jedes Mal ohne Rücksicht auf Einzelschicksale.

Eindringlich beschreibt Tom Tichatzky das Schicksal des zunächst jungen Willy, dessen Figur und Leben er an das eines Verwandten gekoppelt sind, aber auch dasjenige von Maxim, einem Gefährten Willys aus Jugendtagen, der eine ganz andere Richtung einschlägt und damit quasi zum Inbegriff des Sowjetmenschen wird.

Über Jahrzehnte hinweg wird das überaus leidvolle Leben von Willys Familie als Spielball der Mächte im Europa des 20. Jahrhunderts geschildert. Parallel dazu folgen wir Maxim, der zum Werkzeug und später zum Opfer des Stalinismus wird.

Angesichts meiner Nähe zum Sujet - meine Eltern stammen aus dem Baltikum - habe ich die Lektüre nicht "einfach so", das heißt unbefangen, angehen können. Nein, es schwangen eine ganze Menge von Erwartungen und auch Befürchtungen mit, von denen - sagen wir es offen - die meisten erfüllt wurden. Ein düsteres Buch ist dies, das die Gräuel der Sowjetunion und in Teilen auch des Nationalsozialismus eindringlich schildert. Und das ist auch mein einziger kleiner Kritikpunkt an diesem überaus wichtigen Buch, dem ich viele Auflagen, zahlreiche Leser und hoffentlich auch Übersetzungen in vor allem osteuropäische Sprachen wünsche. Bei einem in einem christlichen Verlag erschienenen Buch hätte ich mir bisschen mehr Hoffnung gewünscht, diese blitzte wirklich nur in Ansätzen auf, ich konnte teilweise gar nicht weiterlesen, da ich immer wieder das Schlimmste erwartete. Und zuverlässig traf es Mal für Mal auch wieder ein. Immer wieder hatte ich beim Lesen geradezu körperliche Schmerzen.

Also nichts für Zartbesaitete. Ansonsten lege ich das Buch aber jedem Leser, der ein nicht alltägliches Buch über die Gräuel des Zwanzigsten Jahrhunderts lesen will, ausdrücklich ans Herz,
Menschen im Räderwerk totalitärer Regime Kundenmeinung von Kirsten Wilczek Veröffentlicht am 17.04.18
Es ist die Geschichte der beiden Jungen Willi und Maxim, die Tim Tichatzki erzählt. Sie beginnt in Osterwick/Ukraine in den Wirren des Ersten Weltkrieg und endet nach dem Zweiten Weltkrieg in einem Lager in Sibirien. Willi Bergen lebt mit seiner Familie in einer deutschstämmigen mennonitischen Gemeinde. Sie betreiben Landwirtschaft. Die Angelegenheiten der Gemeinschaft regelt ein Brüderrat. Die Arbeit ist hart, aber die Lebensverhältnisse im Zarenreich sind geordnet. Dann brechen die Oktoberrevolution und ihre Auswirkungen auch über Osterwick herein. Maxim und sein Vater Juri Orlow sind als Flüchtlinge von den mennonitischen Christen aufgenommen worden. Unerbittlich bekriegen sich die Rote Armee und die Weißen, Anhänger des gestürzten Zaren. Die Zivilbevölkerung erlebt unvorstellbare Gräuel. Marodierende Banden, wie die zeitweilig mit der Roten Armee verbündeten Machnowzi, ziehen plündernd und mordend über das Land. Maxims Vater wird ermordet, als er sich schützend vor Willis Mutter stellt. Maxim ist untröstlich und verschwindet. Der Vierzehnjährige schlägt sich nach Sewastopol zu seinem Onkel durch. Unterwegs rettet er Anton Kalinin, einem Tschekisten, das Leben. Die Begegnung wird das Leben von Maxim maßgeblich prägen.

Derweil werden die Bauern ihrer Vorräte und des Saatguts beraubt. Ob durch Banden oder später unter Stalin durch staatlich geforderte, irrwitzig hohe Abgabequoten, das Ergebnis ist dasselbe: Hungersnöte, Elend und Tod. Willis Eltern verhungern. Er wird mit seinen Geschwistern bei seiner Schwester und seinem Schwager Konrad groß. Das Interesse des inzwischen 22-Jährigen gilt bald Elisabeth, der er erfolgreich einen Antrag macht. Doch die Ausläufer des Großen Terrors unter Stalin, der ab 1927 die Alleinherrschaft innehatte, sind bereits spürbar. Die Religionsausübung wird eingeschränkt, die Zwangskollektivierung der Landwirtschaft wird vorangetrieben und eine totalitäre Diktatur mit äußerster Brutalität errichtet. Verschleppung, Folter, Massenexekutionen sind an der Tagesordnung. Während Willi - durchaus zweifelnd - versucht, seinem Glauben treu zu bleiben und ihn an seine Kinder zu vermitteln, schließt Maxim sich den Tschekisten an und macht Karriere in Stalins Schlächter-Hierarchie, in der Soziopathen wie Lawrenti Beria und Wassili Blochin, der Henker mit der Lederschürze, unaufhaltsam aufrücken und ihren Sadismus ausleben können. Auch Anton Kalinin weckt bald das Misstrauen seiner Vorgesetzten. Maxim wird vor die Wahl gestellt: blinder Gehorsam oder Tod. Er entscheidet sich für den Verrat, wird unter Blochin zum Massenmörder abgerichtet und ertränkt seine Desillusionierung über seine und die Entwicklung der Revolution im Alkohol.

Willi, seine Ehefrau und die vier Kinder erleben die Besetzung durch die Deutschen. Als deren Niederlage droht, werden sie zunächst nach Bendsburg/Polen evakuiert. Dort wird der zur Gewaltfreiheit erzogene Willi genötigt, im Volkssturm die Waffe gegen die herannahende Rote Armee zu erheben. Er wird gefangen genommen, seine Familie nach Thüringen verbracht. Willi kann fliehen und schlägt sich zu seiner Familie durch, die bei einem behördlicherseits zur Gastfreundschaft genötigten Bauern untergekommen ist. Die Wiedersehensfreude währt nur kurz. Das unter US-amerikanischer Verwaltung stehende Thüringen wird von den Alliierten der SBZ (Sowjetische Besatzungszone) zugeschlagen. Stalins Programm der Repatriierung trifft Willi und seine Familie. Sie werden nach Sibirien deportiert. Dort treffen sie auf einen Lagerkommandanten, den Willi aus Kindertagen kennt und doch nicht wiedererkennt … Willkür, Gewalt, Hunger und Tod in Lagerhaft werden das Leben der Familie noch prägen bis nach Stalins Tod. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts wird den Überlebenden die Ausreise nach Deutschland erlaubt. Dort feiern sie und ihre Nachfahren noch heute Weihnachten nach alter Sitte. Und der in die Familie Bergen eingeheiratete Tim Tichatzki hat sich der Mühe unterzogen, ihre Geschichte in seinem Roman niederzuschreiben.

Das gelingt ihm mit Bravour. Die Begebenheiten sind in den sehr gut recherchierten historischen Kontext eingebettet. Tichatzki wählt dabei eine die schrecklichen Ereignisse kontrastierende „gepflegte“ Sprache und vermeidet effekthaschende Thriller-Prosa. Man watet nur dort durch Blutlachen, wo es nicht sinnentstellend ausgeblendet werden kann, z. B. in den Kellern, in denen der Mann mit der Schürze pro Nacht zwischen 250 bis 300 Menschen erschoss.

Der Aufbau des Romans ist für die Menge an verarbeitetem Stoff gut gewählt. In die einzelnen Kapitel führen Überschriften unter Angabe des Ortes und der Zeit ein.

Tichatzki erteilt eine gerade in der heutigen Zeit bitter nötige Geschichtsstunde. Ihm gelingt es aufzuzeigen, ohne seine Charaktere in Schwarzweiß zu plakatieren, wie Individuen im Kampf ums bloße Überleben von totalitären Regimen gebrochen werden. Niemand ist nur gut, niemand nur böse. Während einige über sich hinauswachsen, durchaus zweifelnd und vor Angst zitternd, werden andere zu Helfershelfern oder gar zu Tötungsmaschinen abgerichtet – mit dem ihrer Durchschnittlichkeit innewohnenden Rechtfertigungsreflex, doch nur Befehlsempfänger zu sein. Sicher, man hat immer eine Wahl. Aber wir sollten froh sein, seit Jahrzehnten in Frieden und rechtsstaatlicher Ordnung leben zu können, ohne bisher vor diese Wahl gestellt worden zu sein. Aber am Horizont formieren sie sich wieder, die Schreihälse nach einer strikteren nationalen und gesellschaftlichen Ordnung, die Weiß für ihre Farbe und Schwarz für das von ihrer Norm abweichende Andere halten, das es aus ihrem Malkasten fernzuhalten gilt. Und sie geben vor das christliche Abendland retten zu wollen. Wie beschämend und alarmierend zugleich. Der Zeitpunkt unserer Wahl naht. Wenn man sich dieser Tage in Europa umsieht, die Erosion der politischen Mitte und das Erstarken vor allem der rechten Ränder beobachtet, die wachsende Ressentiments gegen Geflüchtete oder Menschen muslimischen Glaubens für ihre Staatsbürgerpflicht halten, dann kommt „Roter Herbst von Chortitza“ von Tim Tichatzki keinen Tag zu früh. Dabei ist es von besonderem Wert, dass der Roman das Schicksal einer Familie nachzeichnet, in der letzte Überlebende des totalitären Horrors und der entfesselten Gewalt heute noch Zeugnis ablegen können, ja durch Preisgabe ihrer Geschichte an den Autor abgelegt haben.

Meinen großen Dank an Tim Tichatzki für die Niederschrift, aber vor allem an die Familie Bergen für das sicher schmerzliche Erinnern ihrer Geschichte.
Eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht Kundenmeinung von Gartenkobold Veröffentlicht am 16.04.18
Ein eindrucksvolles, in die Augen springendes Cover einer erschütternden und unter die Haut gehenden Familienschichte von 1919 bis in die 70iger Jahre – ein beeindruckendes Debüt von Tim Tichatzki.
Zwei Jugendfreunde, eng verbunden, Willi und Maxim, beide aufgewachsen in dem kleinen Dorf Osterwick in der Ukraine, einer von mennonitischen Glauben geprägten Gemeinde, deren Lebenswege unterschiedlicher nicht hätten verlaufen können – während Willi dem Dorf und der Glaubensgemeinschaft Treue hält, mit seiner Familie und seinen Glaubensbrüdern teilweise ums nackte Überleben kämpfen muss, entwickelt sich Maxims Leben in die völlig entgegengesetzte Richtung, er bekennt sich zum Regime und zum brutalen Handlager des Regimes. Was beide nicht wissen, aber grausame Realität werden wird, ist Jahrzehnte später das Wiedersehen in einem sibirischen Arbeitslager…
Mich hat dieser Roman beim Lesen aufgewühlt und er ist mir unter die Haut gegangen, man hat im Geschichtsunterricht ein wenig über die russische Geschichte gehört, man sieht Geschichtsdokumentationen über die Zeit nach der Zarenherrschaft, diese grausame Brutalität, die Willkür, diese unmenschliche und zugleich menschenverachtende Vorgehensweise jedoch war mir nie so präsent wie beim Lesen dieses Romans. Der flüssige Schreibstil sowie die prägnanten Überschriften verschiedener einzelner Kapitel mit Jahresangaben haben mich mitgenommen in eine außergewöhnliche Familiengeschichte der Ukraine, einer Geschichte, geprägt von den Revolutionären, die das ehemalige Zarenreich per Dekret in eine zentrale Planwirtschaft umzuwandeln wollten, den sogenannten Fünfjahresplan erschufen, die Menschen zum Spielball machten für ihre Entscheidungen, sie enteigneten, die Religion schonungslos verdammten aber auch zu Menschen, die Mitläufer waren in diesem Regime, die sich zum Werkzeug machten und missbraucht wurden.
In dieser Geschichte spielt sich das Leben der Mennoniten in dem kleinen Dorf Osterwick geradezu friedlich ab, auch wenn die Menschen willkürlichen Repressalien durch Verhaftungen und Gewalt ausgesetzt sind, doch ihr Glaube und ihre Hoffnung, die Ablehnung der Gewalt schweißen sie eng zusammen, sie stehen füreinander ein, bilden in dem grausamen Umfeld eine friedvolle kleine Insel.
Die Grundlage dieses Romans ist die Geschichte von Tims Schwiegermutter, deren Familie in den 70iger Jahren nach Deutschland fliehen konnte und die anders als viele andere, ihre Seele befreien konnte, weil sie es geschafft hat, über das Erlebte zu berichten.
Tim Tichatzkis schildert diese Familiengeschichte ohne Sentimentalität aber mit bewegenden und beeindruckenden Worten, die unter die Haut gehen, den Leser aufwühlen und in meinen Augen ein weiteres Kapitel dunkler Vergangenheitsgeschichte zum Thema hat, über das wir nicht hinweggehen sollten, als es nichts geschehen.
Ein außergewöhnliches Debüt mit einer Leseempfehlung für Leser, die hinter die Fassade blicken möchten und in die Geschichte eintauchen möchten.
Gräueltaten in der Sowjetunion Kundenmeinung von Gertie Gold Veröffentlicht am 16.04.18
Mit dieser Familiengeschichte, die sie von 1919 bis in die 1970er Jahre erstreckt ist Tim Tichatzki ein aufwühlendes Debüt gelungen.

Er zeichnet den Weg zweier Jugendfreunde, Willi und Maxim, nach, die sich weit auseinander entwickeln: Willi, ist Mitglied der mennonistischen Glaubensgemeinsachft, die der Gewalt abschwören und Maxim, der im nachrevolutionären Russland, zum gefürchteten Schlächter wird. Sie werden sich Jahrzehnte und viele Tote später in einem Arbeitslager wiederbegegnen.

Meine Meinung:

Obwohl als „Historischer Roman“ deklariert, steht gleich auf dem Cover „nach einer wahren Geschichte“. So weiß der Leser gleich, woran er ist. Worauf vermutlich die wenigsten gefasst sind, ist die Brutalität mit der das ehemalige Zarenreich in einen modernen (?) Staat umgewandelt werden soll. Zuerst Lenin, dann Stalin – die beiden wollen aus dem rückständigen Bauernstaat eine floriernde Industrienation machen, koste es was es wolle. In diesem Fall: Millionen von Menschenleben. Bauern, die zwangsweise in Kolchosen umgesiedelt werden und dort unter unmenschlichen Bedingungen und unfähigen, aber brutalen Aufsehern Getreide „erzeugen“ sollen. Familien werden auseinander gerissen, echte oder vemeintliche Regimegegner verhaftet, verschleppt und ermordet.

In diesen geschichtlichen Kontext spielt sich das Leben der Mennoniten der Ukraine, die lange als Kornkammer Russlands bezeichnet wurde, ab. Die Menschen sind willkürlichen Repressalien und Gewaltorgien ausgesetzt, die Ausübung der Religion wird wie überall in der Sowjetunion verboten.

Kaum keimt ein wenig Hoffnung auf, wie zum Bespiel der Einmarsch der Deutschen in Russland, wird diese sofort wieder zunichte gemacht. Zwar wird die Familie Bergen Richtung Westen bis Thüringen, evakuiert, das dann nach dem Zweiten Weltkrieg als russiche Zone nach der Teilung Deutschlands unter sowjetischen Einfluss steht. Dann gerät die Familie zwischen die Mühlsteine der Politik und wird als „Deutsche“ in ein Arbeitslager nach Sibirien verfrachtet. Erst in den 1970er gelingt es den Mitgliedern der Familie Bergen, die auch die Familie des Autors ist, die Ausreise nach Deutschland.

Ohne jegliches Pathos blickt Tim Tichatzki auf eine der dunkelsten und blutigen Jahrzehnte der Geschichte zurück. Mit bewegenden Worten und ohne Effekthascherei wird das Grauen, das Stalins Schergen verübt haben, dargstellt. Als historisch interessierte Leserin sind mir die Gräueltaten des Sowjetregimes in großen Zügen bekannt. In der detaillierten Darstellung habe ich sie jedoch noch nicht betrachtet. Lenin, Stalin, Blochin, Jeschow oder Beria sind für mich keine Unbekannten. Auch Fünf-Jahres-Pläne, die Säuberungen im „Großen Terror“ und die Millionen (Hunger)Toten durch völlige Fehlplanung und Verrohung der Machthaber sind mir geläufig.

Auf Grund der riesigen Zahl an Opfern ist es schwer, sich dem Einzelnen zu nähern. Dies gelingt mit diesem Roman in eindrucksvoller Weise. Die Personen sind authentisch dargestellt. Hin und wieder habe ich das Gefühl gehabt, den einen oder anderen „beuteln“ zu müssen, weil mir die friedvolle an Naivität grenzende Haltung der Gemeindemitglieder ein wenig zugesetzt hat. Doch dies ist natürlich dem Wissen von heute geschuldet. In der aktuellen Situation und in ihrem beinahe unerschütterlichen Glauben an das Gute im Menschen, konnten die Mitglieder dieser mennonitsche Gemeinde nicht anders handeln.

Fazit:

Ein Buch, das eine noch viel zuwenig aufgearbeitete dunkle Phase der europäischen Geschichte behandelt. Allerdings ist das Buch nichts für zartbesaitete Gemüter. Gerne gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.
"Früher war alles besser!", sagt man. Ob das wirklich der Fall ist? Kundenmeinung von Wuschel Veröffentlicht am 16.04.18
Beschreibung:
Der Autor Tim Tichatzki nimmt uns in seinem Debüt in die Jahre 1919 bis 1947. Eine Zeit in der Angst und Schrecken an jeder Ecke lauerte. Mit diesem Werk schrieb er die Lebenserinnerungen seiner Schwiegermutter nieder.

Er erzählt die Geschichte zweier Freunde, Maxim und Willi, die Beide in Osterwick aufwachsen. In diesem Dorf leben überwiegend Mennoniten, die sich ihrem Glauben verschrieben haben sowie Abstand von jeglicher Gewalt nehmen. Im Laufe der Zeit kämpft Willi mit seiner Familie ums nackte Überleben, während Maxim sich auf die Seite des Regimes schlägt. Die Freundschaft entzweit und keiner der Beiden weiß ob sie sich je wieder sehen werden.

Meinung:
Obwohl ich das Buch bereits vor einigen Tagen beendet habe, weiß ich ehrlich gesagt immer noch nicht wo ich anfangen soll. Die Geschichte hat mich einfach überwältigt und aufgewühlt, ging mir unter die Haut. Natürlich bekommt man ab und an mal wieder mit, wie der Krieg über die Kontinente fegte. Hört verschiedenen Berichte hier und da. Vielleicht bekommt man sogar mal etwas von jemandem erzählt, der mitunter selbst dabei war. Doch diese Menschen gibt es immer weniger und bei vielen sitzt der Schmerz so tief, dass sie es nicht wagen darüber zu sprechen – so die Erfahrung aus meiner Familie.

Ich ziehe zuerst einmal den (virtuellen) Hut vor Tims Schwiegermutter, dass sie die Kraft hatte ihm von den Geschehnissen zu erzählen. Ihn an ihrer Geschichte teilhaben zu lassen. Zudem möchte ich auch dem Autor ein großes Lob für seine Recherche Arbeit zukommen lassen.

Bereits zu Anfang fiel mir sehr positiv auf, dass die Kapitelüberschriften immer einen kleinen Einblick auf das Geschehen geben – ohne aber zu viel zu verraten – außerdem sind sie mit Ort und Zeitangaben versehen, was sehr hilfreich ist. Auf den ersten Seiten des Buchs findet der Leser zusätzlich noch eine kleine Landkarte, sodass er sich problemlos zurechtfinden kann. Tim Tichatzki hat außerdem einen sehr einnehmenden und flüssigen Schreibstil, sodass man sich von Anfang an einfach in die Geschichte befördert fühlt. Ich fand schnell in das Buch und wollte es nicht mehr aus der Hand legen, lediglich um das „Erlebte“ zu verarbeiten.

Sehr gut gefielen mir die Beschreibungen der mennonitischen Siedler, ihrer Grundsätze, wie sie lebten, alles einfach. Ich finde es absolut bewundernswert, dieses friedliche Miteinander und man kann das Gemeinschaftsgefühl regelrecht herauslesen. Obwohl die Thematik des Buchs sehr ernst ist, und auch beim Lesen nicht immer leicht zu verdauen, hat der Autor es geschafft all diese Brutalität „sehr schön“ zu verpacken. Er schafft es einem das Grauen vor Augen zu führen, aber einem dennoch keine zu extremen Bilder in den Kopf zu pflanzen.

Es war interessant über all die Machenschaften zu lesen, die damals in der Ukraine oder auch Russland vor sich gingen. Söldner/ Miliz, welche ein Verhaftungssoll erfüllen mussten. Bauern, die durch Verhaftung quasi zur Enteignung gezwungen wurden. Der Staat, wie er die Bauern „versklavt“ und ausnimmt, sodass diese letzten Endes den Winter kaum oder gar nicht überstehen. Das alles aus der Sicht eines Dorfes, das wohl am Wenigsten für all das kann – oder daran mitgewirkt hat.

Manchmal hatte man solche lichten Momente, in denen man Hoffnung hegt, dass sich nun endlich alles zum Besseren wendet. Die Deutschen evakuieren das Dorf. Bis nach Thüringen ging die Reise. Doch weit gefehlt, denn dies wurde zur russischen Besatzungszone. Auch erfährt man, dass die Alliierten einen Vertrag hatten, alle ehemals russischen-deutschen sind an die Russen auszuliefern. So kamen sie vom Regen in die Traufe. Ich entsinne mich nicht davon je in unserem Geschichtsunterricht gehört zu haben, somit ein sehr interessantes wie auch schmerzliches Detail unserer Vergangenheit.

Fazit:
Es ist kein ermüdendes Sachbuch. Es ist ein Buch, das unter die Haut geht und die Geschichte aus der Sicht einer betroffenen Familie erzählt. Eine Reise in die Vergangenheit, die wir uns so nicht vorstellen können. Mich hat es überwältigt, mitgerissen, aufgewühlt und darum würde ich es jedem empfehlen, der gerne einen Blick in diese Zeit werfen möchte.
Ergreifender und erschütternder Lebensbericht aus den dunkelndsten Jahrzehnten des 20. Jh. Kundenmeinung von Marcus Veröffentlicht am 15.04.18
Die ersten Zeilen dieses Buches hörte ich auf einer öffentlichen Lesung des Autors. Nun, da die ganzen knapp 460 Seiten hinter mir liegen, bin ich tief erschüttert und bewegt. Sich im Geschichtsunterricht mit einer Diktatur zu befassen, oder anhand der wahren Familiengeschichte des Autos die Gräuel quasi mit zu erleben, sind einfach zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Tim Tichatzki gelingt eine erstaunliche Gratwanderung, in dem er nichts beschönigt und einem damit das Weiterlesen an manchen Stellen wirklich schwer macht, gleichzeitig aber vollständig darauf verzichtet, ins Voyeuristische oder Effekthaschende zu geraten.
Ein beachtliches Erstlingswerk und eine echte Leseempfehlung.

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