Der mutige Entschluss einer Frau, um ihre Ehe zu kämpfen:

Ein Interview mit Shauna Shanks zu ihrem Buch „Ich muss verrückt sein, so zu lieben“

In der Ehe ist es einfach, Liebe zu schenken, wenn man sich selbst auch geliebt fühlt. Aber sind wir auch dann noch aufgerufen zu lieben, wenn wir dafür nichts zurückerhalten? Wohin führt es, wenn wir es wagen, uns an Gottes kühnes Skript dafür, was Liebe ist, aus 1. Korinther 13 zu halten – selbst angesichts von Ehebruch und Scheidung? Was passiert, wenn wir Gott beim Wort nehmen und ernst machen damit, dass das Kapitel über die Liebe tatsächlich so gemeint ist, wie es da steht, und befolgt werden will?

Shauna, was war Ihre erste Reaktion, als Ihr Mann Ihnen aus heiterem Himmel eröffnete, dass er Sie nicht mehr liebte?
Shauna Shanks: Zuerst dachte ich, das sei ein schlechter Scherz. Ich hatte keine Ahnung, dass er nicht glücklich war. Er sagte mir an dem Abend, dass ich für ihn nicht mehr attraktiv sei, und bat mich im gleichen Atemzug um die Scheidung.
Als mir allmählich klar wurde, dass er es ernst meinte, konnte ich nicht aufhören zu weinen. Ich habe versucht, freundlich zu reagieren und ihn davon abzubringen, aber es war sehr offensichtlich, dass er diesen Schritt geplant hatte. Er hatte sich entschieden und meine Tränen machten alles nur noch schlimmer.
Ich war verzweifelt und bestürmte Gott, mir zu helfen und mir Frieden zu schenken. Unsere drei Kinder waren damals noch klein und in wenigen Stunden würde ich sie wecken müssen. Sie brauchten mich. Ich bat Gott, mir etwas zu geben, worauf ich mich konzentrieren könnte, um mich zu beruhigen und meinen inneren Frieden wiederzufinden. Und er antwortete mit den Worten: Hoffe und halte durch.

Was haben diese Worte für Sie bedeutet?
Shauna Shanks: Mir fiel sofort der Text aus 1. Korinther 13 ein, in dem diese Worte ebenfalls vorkommen. Anfangs wehrte ich mich dagegen, dass das für mich gelten sollte – der Text ist so bekannt und wird ja immer wieder zitiert. Aber es ist der Text über die Liebe.
Gleichzeitig war ich fasziniert, dass Gott mir geantwortet und ich ihn gehört hatte. Und so begann ich, diesen Bibelabschnitt in allen Varianten zu lesen, die ich finden konnte.

Wie haben Sie reagiert, als Ihr Mann Ihnen gestand, dass er eine andere Beziehung hatte?
Shauna Shanks: Das geschah etwa zwei Wochen, nachdem mich dieser Text aus 1. Korinther 13 fasziniert hatte. In gewisser Weise war ich also „vorbereitet“ auf diese unwillkommenen Neuigkeiten. Inzwischen hatte ich für mich nämlich etwas entwickelt, was ich den „Liebesfilter“ nenne: „Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe nimmt alles auf sich, sie verliert nie den Glauben oder die Hoffnung und hält durch bis zum Ende“ (V.4-7). Wenn mein Verhalten, meine Impulse oder Reaktionen meinem Mann gegenüber diesem Maßstab nicht standhielten, war ich aufgefordert, sie zu unterlassen. Diese Verse wurden für mich zu einem Filter, durch den ich alle meine Gedanken und Handlungen passieren ließ.
Ich weiß noch, wie ich spät in der Nacht mit meinem Mann auf dem Sofa saß. Er brauchte ein wenig, bis er die Worte fand, mir zu gestehen, dass er eine Affäre hatte. Liebe ist geduldig, erinnerte ich mich. Sei geduldig. Liebe ist freundlich. Sei freundlich.
Und so konnte ich in dieser Nacht freundlich reagieren, weil ich diesen Maßstab hatte. Liebe ist eine ganze Menge Dinge. Aber bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass Liebe auch Disziplin ist.

Wie haben Sie die dunkelsten Zeiten durchgestanden?
Shauna Shanks: Der Liebesfilter, an den ich mich hielt, mag auf den ersten Blick wie eine Einschränkung klingen, aber für mich war diese Liste befreiend. Diesmal musste ich nicht mehr die Sklavin meiner Emotionen sein. Wenn ich dem Gefühl nachgab, dass ich keine Kontrolle über meine Ehe und auch keinen Einfluss darauf hatte, was mein Mann empfand, fühlte sich das an wie eine Niederlage. Siegreich fühlte ich mich jedoch, wenn ich spürte, ich konnte über meine Gedanken und mein Verhalten wachen und entscheiden.
2.
Korinther 10,5 sagt, wir sollen unser Denken gefangen nehmen und Christus unterstellen. Auch diese Disziplin lernte ich damals. Es gab jede Menge deprimierende, beunruhigende und emotional quälende Gedanken, denen ich mich hingeben konnte. Aber wenn ich das tat, würden sie mir den Frieden rauben.
Aber als ich begriff, dass ich diese zerstörerischen Gedanken „gefangen nehmen“ konnte, änderte das alles. Ich glaube, ich konnte nur deswegen anfangen, innerlich heil zu werden, weil ich aufhörte, all das Negative an meiner Situation immer wieder innerlich abzuspielen.
Philipper 4,8 wurde mir auch wichtig: „Orientiert euch an dem, was wahrhaftig, vorbildlich und gerecht, was redlich und liebenswert ist und einen guten Ruf hat. Beschäftigt euch mit den Dingen, die … als Tugend gelten und Lob verdienen“.
Ich glaube, in meiner Verzweiflung fing ich an, in der Bibel mehr zu sehen als ein Stück beeindruckender Dichtung oder eine Sammlung guter Ratschläge. Ich begann, die Texte beim Wort zu nehmen und verstand sie als Gebot.

Was bedeutet der Original-Buchtitel „Kämpferische Liebe“?
Shauna Shanks: Für mich redet er in erster Linie von der kämpferischen Liebe, die Gott zu uns hat. Wenn er uns so liebt, wie 1. Korinther 13 es beschreibt, dann ist das eine höchst kämpferische, unbegrenzte, unlogische, wilde, verschlingende Liebe, die ich als überaus befreiend erlebte.
Es gibt so vieles, was mein Versagen abmildern könnte. Aber es gibt genug Gnade, die uns ganz und gar einhüllen will.
Irgendwann hatte ich den Eindruck, als sei das Scheitern meiner Ehe Gottes gigantische Gelegenheit, mir etwas zu zeigen: Wenn ich – und ich bin ja nur ein Mensch mit Fehlern und Schwächen – in der Lage bin, meinen Mann auf diese Weise zu lieben, wie viel mehr muss Gott mich dann lieben? Ich hatte das Gefühl, als gewähre er mir eine Kostprobe seiner göttlichen Liebe, einen winzigen Blick darauf, und es hat mein Leben verändert. Ich meine, jetzt, vier Jahre danach, stehe ich hier und habe ein Buch über meine Geschichte geschrieben und kann nicht aufhören, von dieser Liebe Gottes zu reden.

Wie hat Ihr Mann denn damals reagiert?
Shauna Shanks: Ich glaube, anfangs war er sauer; er hatte gehofft, es liefe auf eine einvernehmliche Trennung hinaus; schnell und schmerzlos, und dann könnte er sein neues Leben beginnen. Aber nach einer Weile hat er verstanden, dass ich mich nicht einfach nur querstellte. Dann hätte ich getobt, ihm Vorwürfe gemacht, meinen Zorn an ihm ausgelassen. Aber der Liebesfilter verhinderte, dass ich diesen Impulsen in mir nachgab – und das hat er ganz klar bemerkt.
Ich kann es nur dem Heiligen Geist zuschreiben, dass ich in der Lage war, den Regeln aus 1. Korinther 13 zu folgen – und das hat er wohl auch gewusst. Ich glaube, wenn man mit eigenen Augen sieht, dass Gott die Bühne betritt, dann kann man diese Tatsache nicht mehr abstreiten.

Was hat Sie dazu bewogen, sich öffentlich angreifbar zu machen, indem Sie Ihre Geschichte veröffentlichen?
Shauna Shanks: Ganz ehrlich, mein Mann und ich staunen noch immer über die Erfahrungen, die wir durch diese Krise gemacht haben. Wir hatten einen Sitz in der ersten Reihe bekommen, um Gottes Gnade, Vergebung, Güte und sein heilendes Handeln so persönlich und mächtig zu erfahren.
Wir haben nicht das Gefühl, dass das unsere Geschichte ist. Denn eine Geschichte von Gnade und Erlösung steht jedem offen, der glaubt; ja, sie steht allen Menschen offen. Tiefe geistliche Wahrheit lernen wir entweder durch eigene Erfahrungen – so wie mein Mann und ich –, oder indem wir die Geschichten anderer hören, bei denen die Wahrheit uns endlich aufgeht. Ich hoffe, dass vielen Menschen, die mit uns durch die Abgründe unseres Lebens wandern, das Ausmaß der Macht und Liebe Gottes aufgeht.

Vita: Shauna Shanks ist Autorin und Bloggerin und hat an einem Bible College studiert. Mit ihrem Mann und ihren drei Söhnen lebt sie auf einer Farm in Ohio. www.shaunashanks.com

Das Interview erschien erstmalig in englischer Sprache auf dem Bible Gateway Blog www.biblegateway.com. Veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung.

 

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