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Alexander Fischer

Der Autor über sich selbst:
Wenn der Zirkus in meine Stadt kam, wollte ich als Kind immer möglichst weit vorne sitzen. Nicht etwa, um den Tigern, Elefanten oder Jongleuren nah zu sein, sondern um das Orchester zu bewundern. Leibhaftige Musiker in der Manege gab es früher wirklich! Ich wollte schauen, wie der Schlagzeuger mit den kleinen Stöcken die Trommeln malträtiert, wie die Trompeter ihre Backen aufblasen, wie der Mann am Klavier in die Tastatur greift.

Ganz vorne zu sitzen funktionierte nicht immer. Auch damals schon, in den 60er und 70er Jahren, hatten die besten Plätze bei Krone, Althoff, Busch, Barum oder Sarrasani ihren Preis.

Erst viel später konnte ich es mir leisten, in Reihe eins zu sitzen. Im Tigerpalast in Frankfurt. Im GOP-Variete in Münster. Bei Abba auf der Reeperbahn. Im Prinzregententheater in München. Im Friedrichstadtpalast in Berlin. Im Gießener Stadttheater. Warum ich Ihnen das erzähle. Weil mich ein Orchester schon immer fasziniert, ja in seinen Bann gezogen hat. Weil ich liebend gerne Musiker geworden wäre. Schlagzeuger, Pianist, Gitarrist? Egal! Hauptsache rumkommen, die Welt bereisen, Spaß haben, anderen Menschen eine Freude bereiten.

Doch nicht, aber auch rein gar nichts sprach in meinem Leben auch nur ansatzweise dafür, mit Udo Lindenberg, Peter Maffay oder Bruce Springsteen auf Tour gehen zu können. Auf einen jungen Mann, der nie ein Instrument gelernt hat, bei der Bundeswehr 15 Monate als Funker in Frankenberg und Gießen verbracht und anschließend ein Geografie- und Politik-Studium nach dem Vordiplom abgebrochen hat, wird kein Musik-Scout dieser Welt aufmerksam.

Wohl aber ein aus Ungarn stammender und im Boulevard groß gewordener Chefredakteur, der mich einlud, weil er Artikel von mir, die ich für eine Gießener Zeitung geschrieben hatte, um mein Studium zu finanzieren, gelesen hatte.

„Nimm mir nicht Ruhe, nimm Zigarre!“, begrüßte er mich an einem Freitagmorgen im Frühsommer des Jahres 1983. Und telefonierte, mit Cowboyhut und Hosenträgern im dichten Nebel sitzend, weiter, als würde ich nicht existieren. Nach einer halben Stunde erbarmte er sich meiner: „Hör zu, ich habe von dir gehört, ich will dich haben, am Montag fängst du an.“ Ich, völlig verwirrt: „Aber ich stecke doch mitten im Studium …“ Er drehte den Kopf – ich glaube zum ersten Mal – in meine Richtung, blickte streng wie sonst nur mein Großvater über seine Brille und verlieh seinen Worten Nachdruck. „Montag, oder nie wieder!“

Ich begann am Montag. Und bin beim Verlag geblieben, bis heute. Seit 21 Jahren in verantwortlicher Position als Sportchef, der inzwischen mit einem Pfarrer ein Buch zur Fußball-WM in Brasilien geschrieben hat. Wäre ich Musiker geworden, wäre mir diese Ehre nie zuteil geworden …

Alexander Fischer geht gern auf Reisen in ferne Länder und unternimmt ausgiebige Radtouren. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder.

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