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Annegret - die fremde Tochter

Das dramatische Schicksal eines Mädchens in der DDR
240 Seiten, gebunden
14 x 21 cm
Erscheinungsdatum: 05.02.2015
Bestell-Nr.: 190920
ISBN: 978-3-7655-0920-9
EAN: 9783765509209
1. Auflage

Verfügbarkeit:
Nicht mehr lieferbar

14,99 €
€ 15,50 (A)

Eiskalte Bürokratie in der DDR sorgt dafür, dass das kleine Baby Annegret seinen Eltern weggenommen und ins Heim gesteckt wird. Mit drei Jahren bekommt das Kind neue Eltern: Laura und Heinrich Kahle, die beide Christen sind. Schon früh spürt das Mädchen, wie schwer es in der DDR ist, sich nicht dem Staat unterzuordnen und einfach mitzumachen. Gut, dass es Kurt gibt, ihren Schulfreund, und die Klassenlehrerin, Frau Kroll, die sich für sie einsetzt. Wenn nur nicht solche Wörter hinter Annegret hergerufen würden wie „Findelkind“!
Annegret ist verwirrt. Sind denn Kahles nicht ihre Eltern? Eines Tages macht das Mädchen eine unerwartete Entdeckung ...
Eine berührende Lebensgeschichte.
Annegret - die fremde Tochter

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Ein bewegendes Schicksal in der DDR Kundenmeinung von LEXI Veröffentlicht am 14.06.15
Bereits im Vorwort weist Annegret Range darauf hin, dass mit dem vorliegenden Buch ein Traum für sie in Erfüllung gehen durfte. Sie erklärt, dass die folgenden Seiten Erinnerung und zugleich Gewissheit seien, wie Gott einen Menschen durchs Leben führt. Sie fordert ihre Leser auf, Mut zu haben, und „an Gottes Hand über unser Leben“ zu glauben.

Annegret erblickte am 14. Juli 1957 als Tochter von Agnes und Erich Sawetzki das Licht der Welt. Als vorbestrafter und derzeit inhaftierter Pole wurde zu jenen Zeiten nicht nur der Vater, sondern zugleich auch seine Ehefrau als asozial eingestuft. Annegret wurde ihren Eltern daher bereits kurz nach der Geburt entzogen und kam ins Kinderheim Clara-Dieckhoff-Haus in Güstrow. Diese herzlose und radikale Vorgehensweise galt besonders jenen Menschen, die sich weigerten, den sozialistischen Normen zu entsprechen, die nicht ins ideologische Schema passten... Menschen wie die Sawetzkis.

Zu Annegrets Glück wurde das Kinderheim von christlichen Schwestern geführt, die das Mädchen liebevoll aufnahmen. Bereits 1961 fand sich ein Ehepaar aus Teterow, das großen Wert auf den christlichen Hintergrund ihres zukünftigen Adoptivkindes legte. Und bald durfte Annegret bei Laura und Heinrich Kahle einziehen. Sie wuchs in dem Glauben auf, die leibliche Tochter der Kahles zu sein. Erst durch Hänseleien in der Schule kam das Geheimnis ans Tageslicht. Das Mädchen lernte, sich zu wehren und weigerte sich zudem, sich an die sozialistischen Vorgaben anzupassen.

Lothar von Seltmann erzählt von Annegrets Werdegang, von den Hindernissen, die der Staat ihr in den Weg legt. Der Autor beschreibt die Lebensumstände dieser Zeit und den nahenden politischen Umbruch.

Die handelnden Personen werden anschaulich dargestellt, und abgesehen von der Protagonistin Annegret erfährt man auch Einzelheiten über ihre Adoptiveltern, ihren christlichen Schulfreund Kurt, der ihr in schweren Zeiten stets zur Seite stand. Man darf ihre Ausbildung zur Krankenschwester mitverfolgen, wo Annegret mit ihren drei christlichen Zimmergenossinnen ein „fidel-charmantes Ausbildungskollektiv“ bildet. Auch von den Konflikten mit den Adoptiveltern oder dem späteren Kennenlernen ihres Ehemannes berichtet Lothar von Seltmann, und geht detailliert auf die Ausgrenzung all jener Menschen, die ihren christlichen Glauben in der DDR offen leben, ein.

Annegrets Leben wurde chronologisch wiedergegeben, und ein Einblick in die politischen Entwicklungen im Hintergrund ermöglicht. Im Buch finden sich sehr viele, kursiv gedruckte Gebete und Lieder, und der Glaube nimmt einen hohen Stellenwert ein.

Das Schicksal Annegrets – eine Zwangsadoption in der DDR als Teil der deutschen Geschichte – stellte eine berührende und teilweise betroffen machende Lektüre für mich dar. Ich empfand es als bedrückenden Ausflug in das Seelenleben eines Kindes, das seinen leiblichen Eltern bereits nach der Geburt entzogen wurde. Meine persönliche Meinung zu diesem Buch ist ein wenig zweigeteilt. Einerseits fand ich die Schilderung des „Überwachungsstaates DDR“ als Nicht-Deutsche interessant, andererseits darf man angesichts anderer Rezensionen scheinbar davon ausgehen, dass es Zweifel am Wahrheitsgehalt der Geschichte gibt. Persönlich enttäuscht war ich vom gegenseitigen Umgang der Familie Kahle – ich hätte mir von bekennenden Mitgliedern der lutherischen Kirche und der baptistischen Freikirche etwas mehr Warmherzigkeit, Verständnis und Liebe erwartet. Ihr Verhältnis zueinander wirkte auf mich ein wenig unterkühlt wenn man die Tatsache berücksichtigt, dass Annegret das lange ersehnte Kind war, das die Kahles nach den tragischen Ableben ihrer drei eigenen Mädchen, endlich adoptieren durften. Auch Annegrets Äußerungen ihren Eltern gegenüber zeugte manchmal von wenig Respekt und von Lieblosigkeit, was jedoch wohl unter anderem auch eine Reaktion auf deren besitzergreifendes und völlig vereinnahmendes Verhalten war.

„Annegret die fremde Tochter“ – eine Lebensbericht aus der DDR, das ich mit drei soliden Sternen bewerte.
Einblick in das Thema Zwangsadoption in der DDR Kundenmeinung von Simone Janoschke Veröffentlicht am 19.03.15
Annegret wird im Juli 1957 in Güstrow geboren. Im August 1957 kommt sie in ein Kinderheim, weil das DDR-Regime Annegrets Eltern nicht für geeignet hält, ein Kind richtig zu erziehen. Ihr Vater ist kriminell und verbüßt gerade eine Haftstrafe, die Mutter ist depressiv und asozial – sagt der Staat. Mit 3 Jahren wird sie von Laura und Heinrich Kahle adoptiert, beide bereits über 50 Jahre alt. Annegret verraten sie nichts davon, dass sie nicht ihr leibliches Kind ist. Mit 9 Jahren entdeckt sie zufällig die Adoptionsurkunde und ist sehr getroffen, dass ihre Eltern bisher nichts gesagt haben. Langsam beginnt ihr Verhältnis sich zu verschlechtern. Als sie sich auf die Suche nach ihren leiblichen Eltern macht, sind sie dagegen und sie bekommt auch vom Staat große Steine in den Weg gelebt. Wird sie ihre Eltern finden können? Und kann sie ihren Adoptiveltern wieder vertrauen?


Selten fiel es mir so schwer ein Buch zu bewerten. Ich bin sehr zwiegespalten. Einerseits ist das Thema Zwangsadotion sehr interessant und man bekommt einen guten Einblick in die Geschichte der DDR. Ich bin selbst in der DDR aufgewachsen und konnte einiges wiederentdecken was mir bekannt war, wie die Güterknappheit, die rücksichtslose Überwachung, wenn man nicht ins System passte und vor allem die Denunzierung von aktiven Christen. Andererseits war ich immer wieder überrascht und auch geschockt was Annegret so von sich gegeben hat. Mit 7 entscheidet sie selbst, dass sie nicht Pionier sein will und mit 15 stellt sie sich mit sehr forschen Worten gegen ihren Lehrer. Annegret werden hier, vor allem in der Kindheit, immer wieder Worte in den Mund gelegt, die einfach nicht ihrem Alter entsprechen können.


Sehr geschockt war ich darüber, wie Annegret – die oft betont wie wichtig ihr der Glaube ist und den auch lebt – mit ihren Eltern umgeht. Als sie Krankenschwester im entfernten Berlin werden will und ihr Vater dagegen ist, sagt sie unter anderem „...und du hast den Vater im Himmel ja wohl häufig genug mit dem Lederriemen und lockerer Hand auf der Erde vertreten... Mutti mit ihrem Kochlöffel übrigens nicht weniger“ (S. 125). Nachdem die Mutter frisch verwitwet ist, will sie sehr kurzfristig bei ihrer Tochter einziehen, da sagt Annegret tatsächlich zu ihr „Aber wenn es ja bei dir längst beschlossene Sache ist und du deine Wohnung bereits gekündigt hast, muss es wohl sein. Ich werde die paar Jahre schon überleben, die du mit deinen zweiundachtzig Lenzen noch hast“ (S. 224). Geht man so mit seinen Eltern um, auch wenn diese die Adoption verschwiegen haben? Sie ist so oft von ihnen genervt. Das fand ich in einem Buch von dem ständig von dem liebenden Gott die Rede war, nicht angebracht.


Auch der Schreibstil ist in meinen Augen sehr hölzern, vor allem den Einstieg fand ich anstrengend zu lesen. So führte mich Annegrets Kindheit oft in Versuchung ein paar Passagen zu überfliegen, weil auch immer wieder historische Exkurse gemacht wurden, die sich lasen wie aus einem Geschichtslehrbuch. Erst ab der Zeit, als Annegret die Schwesternschule in Woltersdorf besucht und beginnt nach ihren leiblichen Eltern zu forschen, wird das Buch interessanter. Ich hatte aber oft das Gefühl, dass viele Details etwas ausgeschmückt worden sind, um das Buch spannender zu machen. Daher wäre ein Nachwort vom Autor hier sehr passend gewesen, welche Dinge wirklich so geschehen sind.


Als Roman und Einstieg in das Thema Zwangsadotion ist diese Geschichte sehr interessant, als Biografie ist sie in meinen Augen nur bedingt geeignet.

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